Eva Borcherding - Theaterkonzept Puppe Hoffnung:
Die Hoffnung als Puppe

Nichts ist fremder in einem Konzentrationslager, als ein Kinderspielzeug. Eine Puppe ist ein Stück Privatheit... ein Etwas, das geliebt wird. Ein Ding, das tröstet und vergessen macht, was rundherum geschieht. Mag die Puppe auch klein sein, ihre Wirkung ist groß. "Die Puppe ist mein Abbild, mein Doppel... sie hat Arme und Beine wie ich. Und doch ist sie nur die Karikatur meiner selbst! Nichts kann sie tun, ohne mich. Nicht einmal den Arm bewegen, ohne, dass ich es für sie tue. Geschweige denn, dass sie jemals irgendwo hingegangen wäre, ohne meine Hilfe... Aber sie hört mir zu, wie kein anderer. Und sie macht mir Mut." Je bleierner die Aussichtslosigkeit der Lebenslage ist, desto überraschender ist das plötzliche Auftauchen verloren geglaubter Lebensgeister - Puppe Hoffnung.

Aus der Tiefe steigt die Hoffnung auf. Sie drückt sich nach oben, ist plötzlich da, an der Oberfläche: Der helle Schatten, der über die verschmutze Bretterwand der Baracke huscht... Und das Leuchten, das für einen halben Augenblick auf der zittrigen Oberfläche einer Pfütze tanzt. In dem aller Menschlichkeit entblößten Lagerdasein, ist die Hoffnung der einzige Begleiter der Häftlinge. Sie braucht keine Begründung für ihr Dasein. Im Gegenteil, nicht selten ist sie völlig unangemessen, falsch am Platz. Und doch ist sie da.

Sie macht den niedergeschlagenen, den verzweifelten Häftlingen neuen Mut. Sie gibt ihnen die Kraft, weiter zu gehen. Einen neuen Anlauf zu nehmen und sich nicht aufzugeben. Ein Fünkchen Hoffnung reicht, um zu versuchen, sich durch den Tag zu retten. Oder um etwas zu probieren, was man sonst niemals gewagt hätte... An offenen Widerstand zu denken, oder an Flucht. Und zurück zu wollen, ins Leben.






http://www.puppe-hoffnung.de | Eva Borcherding | 11.2006